Raumplanung Talboden

Raumplanung Talboden - Konkurrierende Flächennutzungen und Hochwasserrückhalt im Talboden

Es gibt Themen, mit denen die Regionalentwicklung im Walgau immer wieder konfrontiert wird. Eines davon ist die Nutzung der Flächen entlang der Ill. 

Der Walgau ist zwar ein recht breites Trogtal, aber die ebenen Flächen sind heiß begehrt. Große Betriebe wie Liebherr, Hilti, Erne und Rauch benötigen Flächen, genauso wie die übrigen etwa 1.000 Betriebe im Walgau. Die Unternehmen haben der Region in den letzten Jahren einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung beschert.

Der Walgau hat zusammen mit dem Rheintal die höchste Wachstumsrate und die höchste Pro-Kopf-Exportleistung in ganz Österreich. Wo die Wirtschaft boomt, kommen die Menschen. 1991 hatte der Walgau mit Bludenz etwa 48.000 Einwohner, 2010 waren es bereits 56.700. Entsprechend wurden auch zusätzliche Bauflächen für Häuser und Wohnungen benötigt und die Gemeinden im Tal wachsen immer weiter zusammen. Heute wird diskutiert, wie ein einheitlicher ‚Siedlungsbrei’ im Walgau verhindert werden kann.

Bauflächen und landwirtschaftliche Bewirtschaftung

Die meisten Bauflächen wurden zuvor landwirtschaftlich bewirtschaftet. Gerade die ebenen, fruchtbaren Talböden sind wichtig für die landwirtschaftlichen Betriebe. Die Umwandlung einer Wiese in einen Bauplatz, eine Deponiefläche oder eine Freizeitanlage ist ein Verlust für die Landwirtschaft. Aber auch die Natur gerät immer mehr unter Druck. Die ökologisch wertvollen Auwälder schrumpfen Stück für Stück und auch von der ursprünglichen Riedlandschaft im Walgau sind nur noch Reste vorhanden. Die abwechslungsreiche Kulturlandschaft im Walgau verschwindet schleichend.

Hochwasserschutz

Aber damit noch nicht genug: Zur Konkurrenz in der Fläche kommt noch die Ill mit ihren Nebenflüssen dazu. Die verheerenden Hochwasser 1999 und 2005 sind bei vielen Walgauern bereits wieder in Vergessenheit geraten. Nicht jedoch bei denen, die für die Planung zuständig sind. Von ihnen wird erwartet, dass sie für die nächsten Hochwasserereignisse Vorsorge treffen. 

Planer rechnen mit dem Schutzziel des sogenannten hundertjährigen Hochwassers. Das HQ100 bezeichnet den Standardschutz vor Hochwasserereignissen, wie sie statistisch gesehen nur alle 100 Jahre vorkommen. Was darüber hinausgeht, fällt bereits in die Kompetenz des Katastrophenschutzes. In Zeiten des Klimawandels ändern sich auch hier die Rahmenbedingungen.

Beim Hochwasserschutz werden zwei Arten von Maßnahmen unterschieden:

Man kann Bäche und Flüsse ‚eindeichen’, damit das Wasser nicht über die Ufer treten kann. Umso schneller fließt es dann ab und die Probleme bekommen die Unterlieger flussabwärts. Im Falle des Walgaus sind dies in erster Linie Feldkirch – das von den letzten beiden ‚hundertjährigen’ Hochwassern nur sehr knapp verschont blieb – und der Rhein.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, Flächen zu schaffen, wo der Fluss über die Ufer treten kann, die sogenannten Retentionsflächen. Und hier sind wir wieder bei der Flächenkonkurrenz. Der Walgau verfügt über ausreichend Fläche, um zumindest die Spitze des HQ100 wesentlich zu dämpfen. Die Nenzinger Auen oder der Auwald bei Bludesch-Gais gehören beispielsweise dazu. Aber diese Flächen werden überwiegend genutzt. Das bedeutet, dass im Zuge des Hochwasserschutzes auch einzelne Gebäude geschützt werden müssen und für Nutzungsausfälle Entschädigungen zu zahlen sind. Auch dies muss bei der Widmung von Talflächen zukünftig noch stärker beachtet werden.

Gemeinsames Nutzungskonzept

Die Flächen entlang der Ill werden also von verschiedener Seite begehrt. Wenn sich die Gemeinden im Walgau auf ein gemeinsames Nutzungskonzept einigen können, haben sie in der Regionalentwicklung ihr Meisterstück abgelegt. Die Gründung des neuen gemeindeübergreifenden Illverbandes Ende 2009 ist ein erster wichtiger Schritt dahin.

Walgau

Kofinanziert aus EFRE-Mitteln im Rahmen des EU-Programms "regionale Wettbewerbsfähigkeit 2000-1013"

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